1 Leitkonzept zeitgemäßer Grundschularbeit

Grundlegende Bildung

Die Grundschule ist eine Einrichtung der Gesellschaft für die Kinder. Sie hat die Aufgabe, sowohl die Bildungsansprüche der Kinder in der Gesellschaft als auch die Bildungsansprüche der Gesellschaft an die Kinder zu realisieren. Damit die Kinder an den sozialen und kulturellen Errungenschaften der Menschheit teilhaben können, muss die Schule dazu beitragen, das vorhandene Wissen der Kinder zu differenzieren und zu erweitern; sie muss den Kindern helfen, neue Lernmöglichkeiten und neue Erfahrungen zu erschließen. Die Schule soll aber auch den Fortbestand von Kultur und Demokratie sichern und den jungen Menschen die für den Erhalt und die Weiterentwicklung unseres Gemeinwesens notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen vermitteln, damit die nachwachsende Generation Verantwortung übernehmen und Staat und Gesellschaft mit- und neugestalten kann.

Beide Ziele können nur erreicht werden, wenn die Ansprüche der Individuen und die Ansprüche der Gesellschaft im Bildungsprozess selbst immer gleichzeitig zum Tragen kommen. Das nennen wir Grundlegende Bildung. Grundlegende Bildung nimmt die Erfahrungen, die die Kinder aus der vorschulischen Sozialisation mitbringen, auf und vermittelt ihnen die für den weiteren Bildungs- und Lebensgang erforderlichen Basiskompetenzen. Diese umfassen Sachwissen, Methoden- und Verfahrenswissen, Selbstkompetenz, soziale Kompetenz, Wertebewusstsein, Einstellungen und Haltungen.

Als für unsere Kultur typische Bereiche grundlegender Bildung gelten: (1)

  • Einführungen in Grundformen der menschlichen Verständigung wie
    • die Erziehung zum gemeinsamen Dialog (miteinander Sprechen),
    • die Einführung in die Schriftkultur,
    • die Einführung in basale mathematische und naturwissenschaftliche Interpretationsmuster der Welt;
  • Einführungen in grundlegende ästhetische Ausdrucks- und Gestaltungsformen wie
    • Musik,
    • künstlerisches Gestalten,
    • Sport-, Spiel- und Bewegungserziehung;
  • die Auseinandersetzung mit Sinn- und Glaubensfragen und die Aufklärung über die verschiedenen Religionen;
  • die Auseinandersetzung mit Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens:
    • Schlüsselthemen der Kindheit, wie zum Beispiel Freundschaft und Rivalität, die Beziehungen zu den Erwachsenen, Leistungsbewusstsein und Leistungsängste, Entdeckung der Sexualität, Umgang mit Zärtlichkeit und Aggressivität, Orientierung in der Konsumwelt und viele andere mehr;
    • aber auch globale Menschheitsprobleme, die schon die Kinder unmittelbar berühren, wie zum Beispiel Umgang mit Konflikten, Krieg und Frieden, Gerechtigkeit unter den Völkern, der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen auf der Erde und anderes mehr.

Die Inhalte und Gegenstände grundlegender Bildung werden in den typischen Lernbereichen der Grundschule - Sprache, Mathematik, Sachunterricht, Ästhetik und Religion - sowie in lernbereichsübergreifenden Projekten bearbeitet.

Prinzipien zeitgemäßer Grundschularbeit

Die im Folgenden dargelegten Prinzipien sind nur im Zusammenhang aller in ihnen enthaltenen Grundpositionen sinnvoll. Sie konkretisieren insgesamt ein Grundverständnis zeitgemäßer Primarschularbeit, das in dem Begriff "ermutigende Pädagogik" zusammengefasst werden kann: Die Schule soll die bereits erworbenen Selbstlernfähigkeiten der Kinder aufgreifen und weiterentwickeln und das Kind als Subjekt des Lernens immer wieder ermutigen, sich alle notwendigen Kompetenzen und Erkenntnisse möglichst selbstständig anzueignen - selbstverständlich immer mit der gezielten Unterstützung seiner Lehrerinnen und Lehrer und immer im sozialen Raum der Klassengemeinschaft.

Lernen als Selbstaneignung der Welt
Jeglicher Unterricht dient der Erweiterung der Selbst- und Welterfahrung der Kinder. Lernen bedeutet Selbst- und Neukonstruktion der Welt. Damit sich Bildung ereignen kann, muss die Schule den Kindern die Gelegenheit eröffnen, ihren eigenen Fragen zu dieser Welt möglichst selbstständig nachzugehen und sie möglichst selbstständig einer (vielleicht zunächst nur vorläufigen) Lösung zuzuführen. Darbietend-erarbeitende und mäeutische Verfahren, Lehrgangsunterricht, Projektarbeit, entdeckendes Lernen und Prozesse kreativen Schaffens sollten sich ergänzen. Gelegenheiten eigen-aktiven Handelns der Schülerinnen und Schüler sind Situationen der bloßen Belehrung vorzuziehen. Alle Erfahrungen, die die Schule den Kindern vermittelt, sollen diese dazu anregen, selber weitere Erfahrungen zu machen und immer mehr Fähigkeiten und Kenntnisse erwerben zu wollen.

Geborgenheit und Lebensfreude
Ihrer Aufgabe als Lernort kann die Grundschule nur gerecht werden, wenn sie eine dem Leben der Kinder bekömmliche Stätte ist. Sie hat - genauso wie die Eltern - eine Pflicht zur umfassenden Sorge für das physische und psychische Wohlbefinden der Kinder. Dies bezieht sich auf die Qualität der Raumgestaltung, die Zeitstrukturen und die Qualität der Unterrichtsangebote ebenso wie auf die Haltung, mit der die Schule und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Kindern begegnet, aber auch auf die Hilfe in besonderen Notlagen. Je höher die Ansprüche der Gesellschaft an den Umfang und die Qualität der Grundbildung steigen, umso mehr muss die Pädagogik auf das Recht der Kinder achten, auch noch Kind sein zu dürfen, Fehler machen zu dürfen, ausreichend Zeit zum Wachsen und zur Entwicklung zu haben.

Damit ist keine naive "Kuschelpädagogik" gemeint. Anstrengung und Freude am Lernen schließen einander nicht aus, sondern bedingen sich wechselseitig. Es geht darum, das Wohlbefinden der Kinder in der Schule sicherzustellen, um ihnen eigene Lernanstrengungen und Lernerfolge zu ermöglichen.

Grundschule als Leistungsschule
Grundschulkinder sind in der Regel begierig, wichtige Dinge zu tun: Sie wollen etwas leisten. Sie genießen ihre Lernfortschritte und suchen die Anerkennung ihrer Bemühungen durch die Erwachsenen, durch Mitschülerinnen und Mitschüler. Wo die Leistungsmöglichkeiten einzelner Kinder noch unterentwickelt sind, ist ihre Leistungsbereitschaft behutsam, aber zielstrebig zur Entfaltung zu bringen. Fehlendes Selbstvertrauen und mangelnde Leistungszuversicht sind durch Situationen der Könnenserfahrung im Unterricht zu überwinden. Die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler ist somit abhängig von der Unterrichtsgestaltung und der Unterrichtsqualität.

Dabei darf Bildung nicht mit Leistungssport verwechselt werden. Wer das Lernen zum Wettkampf macht, produziert notwendigerweise Verlierer. Die Grundschule bereitet ihre Schülerinnen und Schüler auf die bestehende Wettbewerbsgesellschaft dadurch am besten vor, dass sie immer wieder das Selbstvertrauen der Kinder stärkt und ihnen - insbesondere bei den bisweilen unvermeidlichen Niederlagen - immer wieder neu Strategien des Lernens und der Erfahrungserweiterung aufzeigt und neue Gelegenheiten der Könnenserfahrung eröffnet.

Dies gilt insbesondere für jene Kinder, die in bildungsfernen und entwicklungshemmenden Umgebungen aufwachsen. Diese Kinder wenden wegen fehlender familialer Unterstützung viel Energie für die Bewältigung alltäglicher Lebensprobleme auf. Oftmals fehlt ihnen die Kraft für die Konzentration auf schulische Inhalte. Sie bedürfen besonderer Anerkennung und Ermutigung. Ihre ohnedies geringe schulische Leistungsfähigkeit wird unter Wettkampfbedingungen vollends zerstört.

Allemal ist zu beachten, dass es in der Grundschule immer "Bandbreiten der Entwicklung" gibt. Für eine Schule mit in der Regel sehr heterogener Zusammensetzung ist es normal und unabänderlich, dass verschiedene Kinder die für alle gemeinsamen Ziele immer in jeweils unterschiedlicher Annäherung oder Ausprägung erreichen. Wichtig ist, dass kein Kind hinter sich selbst zurückbleibt und am Ende ein jedes so viel geschafft hat, wie man bei optimaler Förderung durch die Schule von ihm erwarten durfte. Diese Feststellung setzt jedoch eine kontinuierliche differenzierte Lern- und Leistungsdiagnostik und ehrliche Lernerfolgsrückmeldungen voraus.

Lernen an bedeutsamen Inhalten
Kinder sind intelligente Wesen. Auch ihre Lebenszeit ist kostbar. Die Schule sollte sie nicht mit Nichtigkeiten verschwenden. Für die Bildung der Kinder ist nicht die Menge des vermittelten Wissens wichtig, sondern die Qualität der Aneignung und die unmittelbare Sinnhaftigkeit der Lernaktivitäten. Der Unterricht soll daher die Intelligenz der Kinder und ihre Freude an eigener Verantwortung durch angemessene Herausforderungen aufgreifen, die einen Bezug zum Leben haben und den Kindern Gelegenheit bieten, sich an bedeutsamen Aufgaben zu bewähren. Nur Lernerlebnisse, die als wichtig und als auch in der außerschulischen Welt sinnvoll und wirksam erfahren werden, hinterlassen nachhaltige Spuren im Denken und Erleben der Kinder und regen zu weiterem Lernen an.

In Zusammenhängen lernen
Bildung vollzieht sich nicht im "Durchnehmen" von Stoffen und Anhäufen von Einzelkenntnissen, sondern nur in der bewussten Durchdringung von Zusammenhängen. Der Unterricht soll daher den Kindern die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Lernbereichen und Lerngegenständen erschließen und so weit und so oft wie möglich Fühlen, Denken, Forschen und Handeln sowie kreatives Gestalten in der Arbeit an lernbereichsübergreifenden Vorhaben miteinander verbinden. Sach- und Methodenkompetenz werden nur erlangt, wenn die Schule den Schülerinnen und Schülern Sach- und Sinnzusammenhänge erschließt und dadurch erst wirkliches Verstehen ermöglicht.

Lernen in der Gemeinschaft mit anderen
Obwohl sich Bildung bei jedem Kind individuell vollzieht, ist sie doch immer angewiesen auf Prozesse von Austausch und Dialog, von wechselseitiger Beratung und Unterstützung in der Gruppe. Niemand kann ganz für sich allein glücklich werden und viele Ziele können nur in Solidarität und gemeinsamer Anstrengung erreicht werden. Die Grundschule soll den Kindern daher die Möglichkeit erschließen, sich mit ihren Mitmenschen produktiv und zum wechselseitigen Vorteil aller auseinander zu setzen. Dazu muss sie Prozesse des sozialen Lernens fördern, die Kooperationsfähigkeit der Kinder stärken und für die Prozesse der Weltaneignung nutzen. Hierzu gehören auch die Entwicklung von Kritikfähigkeit und die Anleitung zum produktiven Umgang mit Konflikten und zu einer angemessenen Streitkultur.

Gleichzeitigkeit von Differenzierung und Integration
Kein Kind im Grundschulalter sollte von der gemeinsamen Schule für alle ausgeschlossen werden. Alle Schülerinnen und Schüler sollen mit ihren persönlichen Voraussetzungen und Erfahrungen sowie ihren konkreten Möglichkeiten angenommen werden, alle Unterrichtsbemühungen sollen an diese meist sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Möglichkeiten anknüpfen. Dazu müssen die Unterrichtsangebote selbst hinreichend differenziert sein.

Angesichts der Unterschiedlichkeit der Voraussetzungen gelingt die optimale Förderung jedes einzelnen Kindes am ehesten dort, wo die Schülerinnen und Schüler arbeitsteilig an größeren Vorhaben tätig sind, zu denen sie alle eigene Beiträge auf dem ihnen jeweils angemessenen Niveau einbringen können. Das unvermeidliche Üben einzelner Fertigkeiten erfolgt demgegenüber am besten in weitgehend individualisierten Unterrichtsarrangements. Projektunterricht, Wochenplanunterricht und Freiarbeit ersetzen daher in integrativen Grundschulen einen hohen Anteil des herkömmlichen Großgruppenunterrichts mit der ganzen Klasse. Besondere Förderangebote für einzelne Schülerinnen und Schüler können weitgehend in den Regelunterricht integriert erteilt werden. Der Grundsatz lautet: möglichst individuelle Förderung der einzelnen Schülerinnen und Schüler in der Gemeinsamkeit der Verschiedenen.

Chancengleichheit und Achtung vor dem Anderen
Erziehung und Unterricht in der Grundschule sollen der Differenz in den Erfahrungen, Denkmustern und Interessen von Kindern unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlicher sozialer, ethnischer, sprachlicher oder kultureller Herkunft sowie unterschiedlicher religiöser Überzeugung Rechnung tragen: Alle Kinder, gleich welchen Geschlechts und gleich welcher Herkunft, sollen gleichermaßen beachtet und gefördert werden, ihre teilweise unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten sollen in Unterricht und Schulleben gleichermaßen zum Zuge kommen. Es geht darum, Chancengleichheit und Teilhabe aller an den Errungenschaften unserer Gesellschaft zu ermöglichen sowie die Achtung vor der Individualität und den unveräußerlichen Rechten des jeweils Anderen zu stärken.

Grundschule als Lernfeld für Demokratie
Die Grundschule ist eine Schule der Demokratie. Die Mitwirkung an der Gestaltung einer gerechten und für alle Menschen lebenswerten Welt muss schon im Grundschulalter geübt werden. Die Grundschule ist daher gehalten, die Mitwirkungsmöglichkeiten der Kinder an der Gestaltung des Unterrichts, des Schullebens und der in der Schule gepflegten Umgangsformen vom ersten Tag an aufzugreifen, auszuschöpfen und durch angemessene Beteiligungsformen weiterzuentwickeln. Dies betrifft die Wahl einzelner Unterrichtsthemen und Inhalte ebenso wie die Wahl von Lernzeiten und Lernpartnern, von Lernwegen und Methoden, aber auch die Mitbestimmung über die Regelung gemeinsamer Angelegenheiten im Zusammenleben der Schulgemeinde sowie die Mitgestaltung einzelner Veranstaltungen und Höhepunkte des Schullebens.

Selbstverständlich bleibt es das Recht der gewählten Volksvertretungen, die Grundsätze des Bildungswesens zu definieren. Die Partizipation der Betroffenen - der Kinder, der Eltern, der Pädagoginnen und Pädagogen - an allen die Schule wesentlich prägenden Entscheidungen ist jedoch gleichzeitig sicherzustellen.

Bedingungen zeitgemäßer Grundschularbeit

Die genannten Ansprüche und Prinzipien zeitgemäßer Grundschularbeit lassen sich nur in einem Gesamtrahmen realisieren, der diesen Ansprüchen auch Rechnung trägt. Die Grundschule in Deutschland ist traditionell sehr dürftig ausgestattet. Sie erhält bei weitem nicht die Ressourcen, die diese Gesellschaft bereitstellen könnte und die sie den "höheren" Schulen auch selbstverständlich bereitstellt. Im internationalen Vergleich sehen unsere Grundschulen ärmlich aus. Damit untergraben Politik und Gesellschaft die Lernmöglichkeiten der Kinder und verhindern die Entfaltung von Leistungen, die sie den Schulen gleichzeitig abfordern.

Dieser Zirkel der Unzulänglichkeit kann nur durch vermehrte Investitionen in die frühen Jahre durchbrochen werden. Nach wie vor gilt die einfache Wahrheit, dass sich Investitionen in die frühen Jahre am höchsten rentieren und dass sich alles, was in der frühen Kindheit versäumt wird, in späteren Jahren nur noch mit beträchtlichem Mehraufwand und meist geringerem Erfolg kompensieren lässt. Es sind nicht nur die Kinder, es ist die Gesellschaft als Ganze, die ein Recht und einen Anspruch auf eine hochwertige Grundbildung aller hat. Dafür muss sie aber auch entsprechend lernförderliche Umgebungen bereitstellen.

Zu einer lernförderlichen Umgebung zählen folgende Selbstverständlichkeiten, die in Deutschland leider bislang nur an wenigen Grundschulen realisiert sind.

Unterrichtskultur

  • Die Kinder erhalten genügend zusammenhängende Lernzeiten und können die Erfahrung machen, dass ihre (vielleicht nur vorläufigen) Erkenntnisse und Lernschritte wahrgenommen, geachtet und anerkannt und ihre Lernbemühungen ernst genommen werden.
  • Die Kinder haben die Möglichkeit, in Projekten zu arbeiten und die sich ihnen darin bietenden Handlungs- und Gestaltungsfreiräume zu nutzen.
  • Die Kinder finden in der Schule eine das entdeckende Lernen anregende und unterstützende Lernumgebung vor: Die Klassenzimmer sind als Werkstatt eingerichtet, bieten Zugang zu unterschiedlichen Lern- und Arbeitsmaterialien und sind mit zeitgemäßen Medien ausgestattet. Die Kinder haben reichhaltige Möglichkeiten des Zugriffs auf Bücher, Geräte und Informationsquellen. Computer mit Internetanschluss stehen in jedem Klassenzimmer, die Lehrerinnen und Lehrer sind in der pädagogisch sinnvollen Nutzung solcher Medien für Grundschulkinder geschult und sicher.
  • Das Schulgebäude und der Schulhof sind ebenfalls als Anregungsräume gestaltet und bieten vielfältige Herausforderungen unterschiedlichster Art.
  • Kinder erhalten die Möglichkeit und werden darin unterstützt, außerschulische Lernorte zu nutzen und die Erfahrung der "originalen Begegnung" zu machen. Eltern und außerschulische Expertinnen und Experten kommen häufig in die Schule und bringen ihre Erfahrungen in den Unterricht ein.

Systembedingungen

  • Die Pädagoginnen und Pädagogen arbeiten regelmäßig im Team, unterstützen sich wechselseitig und sind mit der permanenten Weiterentwicklung ihrer Schule befasst. Diese Schulentwicklungsarbeit wird als normaler und unverzichtbarer Bestandteil heutiger Lehrerarbeit anerkannt und auch auf die Gesamtarbeitszeit der Pädagoginnen und Pädagogen angerechnet.
  • Die Schulen verfügen über ein hohes Maß an Autonomie hinsichtlich der Verwendung der ihnen zustehenden Finanzmittel, der Personalstunden, der Gestaltung des schuleigenen Zeitkonzeptes einschließlich der Gestaltung der Stundenpläne sowie hinsichtlich der Personalauswahl bei Stellenbesetzungen.
  • Als "verlässliche Grundschulen" verfügen zeitgemäße Grundschulen auch über einen hinreichenden Stundenpool für Vertretungen, so dass sich die Eltern darauf verlassen können, dass ihre Kinder während der Schulzeit unter allen Umständen pädagogisch angemessen betreut werden.
  • Das physische Wohl der Kinder - z.B. ausreichend Bewegung, ausreichende Ruhephasen, Bereitstellung von Getränken und einem gesunden Imbiss sowie Maßnahmen der allgemeinen Gesundheitsvorsorge in der Schule - wird gewährleistet.
  • Schließlich ist es kein Zufall, dass die skandinavischen Länder, die - im Gegensatz zu Deutschland - bei den internationalen Leistungsvergleichsstudien immer sehr gut abschneiden, in der Grundschule mit deutlich geringeren Klassenstärken beginnen als die deutsche Grundschule. Während dort in den frühen Schuljahren Klassengrößen weit unter 20 Kindern selbstverständlich sind, sind bei uns Klassenstärken von 22, 25 oder gar 30 Kindern in den Anfangsklassen eher die Norm als die Ausnahme. Damit ist nicht nur die Zuwendungszeit der Pädagoginnen pro Kind extrem begrenzt, sondern auch die Möglichkeit zu differenzierten Unterrichtsangeboten. Zeitgemäße Grundschulen verfügen daher über eine angemessene Personalausstattung, die Klassengrößen unter 20 Kindern in den Eingangsklassen möglich macht. (2)
  • Die Eltern sind an allen wesentlichen Strukturentscheidungen beteiligt und arbeiten vertrauensvoll und kooperativ mit den Pädagoginnen und Pädagogen zusammen.


Anmerkungen
(1) vgl. hierzu vertiefend: Gabriele Faust-Siehl, Ariane Garlichs, Jörg Ramseger, Hermann Schwarz, Ute Warm (1996): Die Zukunft beginnt in der Grundschule. Empfehlungen zur Neugestaltung der Primarstufe, unter Mitarbeit von Klaus Klemm. Frankfurt/M.: Grundschulverband Band 9
(2) Während in der Sekundarstufe keine direkte Abhängigkeit des Schulerfolgs von der Klassenstärke nachgewiesen wurde, gilt für die frühen Jahre der Grundschule das Gegenteil: Hier sind die positiven Effekte kleiner Klassen insbesondere für Kinder aus benachteiligten Lebensverhältnissen und für Migrantenkinder empirisch belegt. Dies entspricht im Übrigen nur dem gesunden Menschenverstand.

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