Bildungsansprüche von Grundschulkindern - Standards zeitgemäßer Grundschularbeit

2.3 Tragfähige Grundlagen: Sachunterricht

Didaktische Orientierung

Welterkundung - Handlungskompetenz - Erfahrungsfelder

Sachunterricht ist ein zentraler Lernbereich der ersten vier Grundschuljahre, in dem die Kinder Gelegenheit zum Aufbau grundlegender Sachkenntnisse über die Welt erhalten sollen. Inhaltlich werden im Sachunterricht spezifische Formen und Produkte der kulturellen Tätigkeit des Menschen thematisiert. Dabei geht es im Wesentlichen immer um zwei Aspekte:

  • die Gestaltung des Verhältnisses des Menschen zur belebten und unbelebten Natur einschließlich Wissenschaft und Technik und
  • die Gestaltung des Zusammenlebens der Menschen untereinander, d.h. um gesellschaftliche und politische Verhältnisse. (1)

Ein zeitgemäßer Sachunterricht ist der Idee der "Welterkundung" verpflichtet, d.h. er zielt auf die Gewinnung von Handlungskompetenz, wobei das eigene forschend-entdeckende Tun des Kindes das primäre Medium der Aneignung ist. Diese Handlungskompetenz wird in fünf Erfahrungsfeldern gewonnen:

  • soziales und kulturelles Lernen
  • historisches Lernen
  • raumbezogenes Lernen
  • naturbezogenes Lernen
  • technisches Lernen.

Handlungsleitend für die unterrichtliche Arbeit in diesen Erfahrungsfeldern sind die Perspektiven der Kinder, ihre Fragen, Weltzugänge und Deutungskonzepte. Die Schule soll den Kindern helfen, Fragen an die Welt zu stellen, und sie dabei unterstützen, ihren Fragen selber nachzugehen und sie einer Lösung zuzuführen. Dabei sollen sie sich zugleich gesellschaftlich bereits erarbeitete, kulturell bedeutsame Interpretationen, Problembearbeitungen und fachliche Zugänge aneignen. Jedes Kind soll die Gelegenheit erhalten, seine Erfahrungen und Erklärungen in der ihm eigenen Ausdrucksweise zu äußern, mit anderen zu erörtern und zu vertiefen. Alle Kinder sollen angehalten und unterstützt werden, ihre Erklärungsmuster angemessen und auch korrekt zu versprachlichen.
Zu den Auswahlentscheidungen in der Schule

Die Auswahl der jeweils im Unterricht zu behandelnden Inhalte erfolgt in der einzelnen Lerngruppe vor Ort; sie orientiert sich an den alterstypischen Fragen der Kinder und an epochaltypischen Schlüsselfragen, Ideen und Erfahrungen der Menschheit, die die Schule thematisiert.

Die Auswahl der im Unterricht verwendeten fachspezifischen Verfahren orientiert sich an den kindlichen Möglichkeiten der Rekonstruktion und Darstellung der Wirklichkeit. Die rationale Aneignung der Welt muss bei Kindern dieser Altersstufe stets auf einer emotionalen Basis von Aufmerksamkeit, Anteilnahme und Betroffensein aufbauen, die von der Wissenschaft der Erwachsenen bewusst und aus guten Gründen zurückgedrängt wird, für Bildungsprozesse aber dennoch entscheidend ist. Diese im weitesten Sinne ästhetischen Prozesse, Empfindungen und Erfahrungen sind eine unerlässliche Voraussetzung für die Entwicklung einer differenzierten Urteils- und Ausdruckskraft.

Jedes Erfahrungsfeld bietet eine Fülle von Fragen und Anregungen, die es wert wären, im Unterricht thematisiert und geklärt zu werden. Da die Schule aber nicht die gesamte Kulturgeschichte der Menschheit wiederholen kann, wird im Sachunterricht immer nur exemplarisch gearbeitet werden: Es geht nicht darum, möglichst viel behandeln zu wollen, sondern grundlegendes Verstehen anzubahnen.

Die Kinder sollen im Verlauf ihrer Grundschulzeit mindestens einmal im Schuljahr die Chance haben, zu jedem der fünf genannten Felder Erfahrungen zu gewinnen, die unterschiedlichen Formen der Welterschließung und Welterkundung kennen zu lernen und sich basale Kenntnisse, Schlüsselbegriffe und Methoden anzueignen.

Zum Erfahrungsfeld: soziales und kulturelles Lernen

Kinder heute werden von sehr heterogenen und oft auch widersprüchlichen sozialen Erfahrungen geprägt. Sie wachsen in einer Welt auf, in der kulturelle und sprachliche Vielfalt weitaus mehr als früher Normalität ist und in der Lebensstile und Deutungsmuster stark voneinander abweichen. Mit dieser Vielgestaltigkeit konstruktiv und verantwortlich umzugehen ist eine Herausforderung zur Orientierung im Umgang mit sich selbst und im Verhältnis zu anderen Menschen. Solche Unterschiede in Abhängigkeit zu sehen von politischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Gegebenheiten und sie zugleich als gestaltbar zu begreifen, ist Gegenstand und Zielsetzung des sozialen und kulturellen, d.h. des demokratischen Lernens. Zudem bedarf das Kind stabiler sozialer Beziehungen und Erfahrungen, die sein Ich stärken; beides sind Grundlagen für die Entwicklung von sozialer Sensibilität, sozialer Initiative, von Konfliktfähigkeit und sozialer Handlungsfähigkeit.

Inhalte / Schlüsselbegriffe: Kinder in Deutschland und in der Welt; Gewohnheiten, Rituale, Regeln; Konflikte; Schule und andere Institutionen; Interessen, Rechte; Leben in Gruppen und Gemeinschaften; Kultur; soziale und kulturelle Vielfalt.

Zum Erfahrungsfeld: historisches Lernen

Die durch menschliches Handeln hervorgebrachten materiellen und sozialen Bedingungen des Zusammenlebens erschließen sich Kinder zunächst als Gegebenheiten. Die geschichtliche Perspektive im Sachunterricht trägt dazu bei, Vorgefundenes - Wissen, Erfindungen, Gegenstände, Institutionen, Normen, soziale Ordnungen, Gewohnheiten - als etwas zu verstehen, das geschaffen wurde, verändert werden kann und verantwortet werden muss.

Inhalte / Schlüsselbegriffe: Vergangenheit/Gegenwart/Zukunft: die Herkunft der eigenen Familie, die Geschichte des Ortes; einzelne Beispiele der Kulturgeschichte der Menschheit in der Umwelt, im Museum, in Abbildungen und Dokumenten; das Problem der geschichtlichen Wahrheit.

Zum Erfahrungsfeld: raumbezogenes Lernen

In Raum und Zeit vollzieht und ordnet sich jede Wahrnehmung und Handlung. Räume sind unterschiedlich. Öffentliche und private Räume bilden für jeden Menschen den individuellen und sozialen Handlungsrahmen. In Räumen laufen naturgegebene Prozesse ab. Sie wirken in ihrer Beschaffenheit auf die subjektive Befindlichkeit der Menschen. Für Kinder sind sie bedeutsame Ausschnitte der Welt, die es zu erkunden gilt und in der sie sich orientieren lernen. Räume sind veränderbar, nutzbar und darstellbar. Menschen tragen Verantwortung für die Erhaltung, Pflege und Veränderung von Räumen.

Inhalte/Schlüsselbegriffe: Orientierung, Lebensräume, Schule/Schulweg, Wohnen, Dorf / Stadtteil / Stadt / Bundesland, Deutschland, Europa, die Erde, unser Sonnensystem, grundlegende Himmelsphänomene.

Zum Erfahrungsfeld: naturbezogenes Lernen

Kinder erfahren Natur auf unterschiedliche Weise und nehmen Naturphänomene verschieden wahr. Kinder, die in den Zentren unserer Großstädte aufwachsen, haben oft nur sehr eingeschränkte Naturerfahrungen.

Aufgabe der Grundschule ist es, allen Kindern Naturerleben und Naturerfahrungen zu ermöglichen, ihnen Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten in der Natur zu erschließen und eine Ahnung vom Wunder der Schöpfung zu vermitteln. Die emotionale Zuneigung zu Pflanzen, Bäumen, Tieren ist Voraussetzung dafür, die Umwelt erhalten zu wollen und dafür auch Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen. Nur in der Realbegegnung mit der Natur können Naturphänomene erfasst, begriffen und gedeutet werden, nur in der Auseinandersetzung mit den Grenzen des Wachstums und der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen kann Mitweltbewusstsein entstehen.

Grundlage einer ökologischen Bildung, die Verantwortung im Umgang mit der Natur zum Ziel hat, ist die Erfahrung der Vielfalt der Zugänge zur Natur. Dazu gehören ästhetische und naturwissenschaftliche Zugangsweisen ebenso wie ethische und politische Betrachtungsweisen.

Inhalte / Schlüsselbegriffe: Tiere, Pflanzen, belebte und unbelebte Natur, das Wunder des Lebens, Kreisprozesse, Naturgesetze, der eigene Körper, Gesundheit; der Mensch als Teil der Natur: Umwelt und Mitwelt, Umweltgefährdung und Umweltschutz.

Zum Erfahrungsfeld: technisches Lernen

Kinder in Europa wachsen in einer von Wissenschaft und Technik determinierten Welt auf. Wasser, Nahrung, Licht, Wärme und Wetterschutz stehen ihnen selbstverständlich jederzeit zur Verfügung, Maschinen nehmen schon im Haushalt viele schwere Arbeiten ab oder erleichtern sie erheblich. Kinder glauben oft, dass sich alle Probleme technisch lösen lassen. Welche menschlichen Anstrengungen und welch intellektueller und sozialer Aufwand hinter den technischen Errungenschaften stehen und welche Folgen mit der Technisierung der Welt verbunden sind, ist den meisten Kindern im Grundschulalter nicht bewusst.

Im Erfahrungsfeld "technisches Lernen" erhalten die Kinder die Möglichkeit, grundlegende technische Funktions- und Handlungszusammenhänge zu verstehen und elementare Formen technischen Handelns zu erlernen. Sie erfahren Bedingungszusammenhänge von Naturwissenschaft und Technik, Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Unterricht dient auch dazu, geschlechtsspezifische Einstellungen zur Technik zu thematisieren und etwaige Hemmnisse abzubauen.

Inhalte / Schlüsselbegriffe: Erfindungen und Errungenschaften der Menschheit, Werkzeuge und Maschinen, Ursache und Wirkung, Ökonomie der Kräfte und Materialien, Produktion, Konstruktion und Rekonstruktion, Technikfolgen, Modellbildung und Analogien.

Anmerkung
(1) Eine Grundlage bei der Erarbeitung dieser Empfehlung war die Veröffentlichung: Gesellschaft für die Didaktik des Sachunterrichts - GDSU (Hrsg.) (2002): Perspektivrahmen Sachunterricht. Bad Heilbrunn: Klinkhardt

Veröffentlichungen des Grundschulverbandes

Gabriele Faust-Siehl /Ariane Garlichs / Jörg Ramseger / Hermann Schwarz / Ute Warm (1996): Die Zukunft beginnt in der Grundschule. Empfehlungen zur Neugestaltung der Primarstufe, unter Mitarbeit von Klaus Klemm. Band 98

Gabriele Faust-Siehl / Richard Meier / Henning Unglaube (Hrsg.) (1998): Sachunterricht in der Grundschule. Band 101

Maria Fölling-Albers / Sigrun Richter / Hans Brügelmann (Hrsg.) (2001): Jahrbuch Grundschule III. Band S 62, darin: Kapitel Forschung zum Sachunterricht S. 62-111

(wird noch ergänzt)

Tragfähige Grundlagen

Ziele

Soziales und kulturelles Lernen

  • Die Kinder haben im Miteinanderlernen und -leben soziale Verhaltensweisen und konstruktive Arbeitsformen kennen gelernt und demokratische Spielregeln erfahren. Sie können produktiv zusammenarbeiten und gehen in wechselseitiger Achtung miteinander um.
  • Sie haben einen Eindruck über die Vielfalt der Lebensformen in ihrer Klasse, ihrer Schule, ihrer Gemeinde und ihrem Land erhalten und können differentes Verhalten in altersgemäßer Form als Folge von unterschiedlichen Herkünften, unterschiedlichen sozio-ökonomischen Möglichkeiten und Grundüberzeugungen der Menschen erklären.
  • Sie haben sich mit unterschiedlichen Interessen, Denkweisen und Zukunftsentwürfen von Mädchen und Jungen, Frauen und Männern auseinander gesetzt, Achtung vor dem jeweils anderen Geschlecht entwickelt und gehen in wechselseitiger Achtung mit einander um.
  • Sie sind an Beispielen aus ihrer Erfahrungswelt mit den Ideen der Demokratie, des Rechts und der Menschenrechte bekannt gemacht worden und kennen ihre unveräußerlichen Rechte.
  • Sie haben an einem für sie durchschaubaren Beispiel die wechselseitigen Abhängigkeiten und Verflechtungen von ökonomischen, politischen und ökologischen Interessen sowie ethischen und ideologischen Überzeugungen erfahren und können sie erklären.
  • Sie haben an einem für sie verstehbaren Beispiel den Zusammenhang der Lebensbedingungen der Menschen in den hoch entwickelten Ländern von den Lebensbedingungen der Menschen in den sich entwickelnden Ländern erfahren und können sie in altersgemäßer Form erklären.
  • Sie haben die folgenden Methoden kennen gelernt und können sie anwenden: erkunden, sich informieren, argumentieren, streiten, Alternativen erproben, Fallbeispiele darstellen, dokumentieren, partizipieren.

Historisches Lernen

  • Die Kinder wissen, dass ihre Gegenwart in einem Zusammenhang mit Entwicklungen, Erfindungen und Entdeckungen von Menschen der Vergangenheit steht und gegenwärtige Verhältnisse daher als veränderlich, veränderbar und zukunftsoffen wahrgenommen werden können. Sie können an einem konkreten Beispiel diesen Zusammenhang von Vergangenheit und Gegenwart darstellen.
  • Sie wissen, dass das Denken und Handeln von Menschen in der Vergangenheit immer nur vor dem Hintergrund damaliger Bedingungen zu verstehen ist. Sie können an einem konkreten Beispiel das Handeln von Menschen aus ihrer jeweiligen Zeit heraus beurteilen und dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu heute herausarbeiten.
  • Sie haben die folgenden Methoden kennen gelernt und können sie anwenden: Erkundungen und Recherchen, Umgang mit Quellen, Rekonstruktion und Inszenierung von Lebensbedingungen, Rollenspiele.

Raumbezogenes Lernen

  • Die Kinder können in altersgemäßer Form ihren eigenen Lebensort historisch und geografisch in größere Zusammenhänge einordnen. Sie kennen wichtige geografische und historiografische Fakten ihres unmittelbaren Lebenraumes und ihrer Kommune sowie wesentliche geografische und soziografische Einteilungen Deutschlands, Europas und der Welt.
  • Sie haben eine angemessene Vorstellung von der Herkunft ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler sowie größerer Minoritätengruppen in ihrer Gemeinde und unserem Land sowie von den Lebensbedingungen in den jeweiligen Herkunftsländern.
  • Sie haben eine Grundvorstellung vom Aufbau unseres Planeten und unseres Sonnensystems und können elementare Himmelserscheinungen (Wechsel von Tag und Nacht, Entstehung der Jahreszeiten) anhand eines Modells in altersgemäßer Form erklären.
  • Sie haben die folgenden Methoden kennen gelernt und können sie anwenden: Erkundungen durchführen, Karten entwerfen und lesen, Modelle entwickeln.

Naturbezogenes Lernen

  • Sie haben ein positives Verhältnis zur Natur entwickelt und empfinden Verantwortung für ihren natürlichen Nahraum.
  • Sie kennen Grundfunktionen ihres eigenen Körpers und elementare Grundsätze einer gesunden Ernährung und Lebensführung. Sie wissen um die Bedeutung von Liebe, Geborgenheit und Sexualität für das menschliche Leben und gehen achtungsvoll mit einander um.
  • Sie kennen elementare Kreisläufe in der Natur und deren Bedeutung für den Menschen und die übrige belebte Natur.
  • In der eigenen handelnden Auseinandersetzung mit Ausschnitten der Natur lernen die Kinder Kennzeichen des Lebendigen kennen. Sie können über das Verhalten der Menschen in Bezug auf die Natur nachdenken und eigene Standpunkte beziehen. Sie können ihre Erlebnisse und Erkenntnisse auch sprachlich und künstlerisch verarbeiten.
  • Sie können ausgewählte Naturphänomene auf einfache physikalische, chemische oder biologische Gesetzmäßigkeiten zurückführen und haben die Wirkung solcher Gesetzmäßigkeiten in der Beobachtung der Natur und im Experiment selber erfahren.
  • Sie wissen um die Begrenztheit und um den Zeitbedarf der Erneuerung von natürlichen Ressourcen und um die Möglichkeit eines am wenigsten schädlichen Verhaltens im Umgang mit ihnen. Sie können hierfür Beispiele aus dem eigenen Erfahrungs- und Handlungsraum nennen.
  • Sie haben den Unterschied von ökonomischen und ökologischen Interessen an einem für sie verstehbaren Fall kennen gelernt und können ihn in altersgemäßer Form erklären.
  • Sie haben die folgenden Methoden kennen gelernt und können sie anwenden: beobachten, messen und vergleichen, experimentieren, reflektieren, philosophieren, konstruieren und rekonstruieren.

Technisches Lernen

  • Die Kinder können einfache Gegenstände selber herstellen und dazu Werkzeuge und technische Geräte sachgemäß benutzen.
  • Sie können exemplarisch einige technische Zusammenhänge in Bereichen wie Arbeit und Produktion, Transport und Verkehr, Versorgung und Entsorgung, Bauen und Wohnen, Information und Kommunikation verstehen und erklären.
  • Sie können exemplarisch einige wichtige technische Erfindungen oder Errungenschaften nachvollziehen, in ihrer Bedeutung für die Menschheit erfassen und in einen geschichtlichen Zusammenhang einordnen.
  • Die Jungen und Mädchen bilden auf der Basis erworbenen Könnens, Wissens und Verstehens Interesse sowie ein positives Bewusstsein ihrer eigenen technikbezogenen Fähigkeiten aus.
  • Die Kinder haben die folgenden Methoden kennen gelernt und können sie anwenden: entwerfen, bauen, konstruieren, rekonstruieren, analysieren, Modelle erfinden, Analogien benutzen, reflektieren.

Lernbedingungen

Diese Bildungsansprüche sind nur zu erfüllen, wenn der Unterricht folgende Lernbedingungen schafft:

Fragekultur: Damit Kinder "Welterkundung" betreiben, Fragen an die Welt stellen und diesen Fragen aktiv nachgehen können, öffnet sich der Unterricht für diese Fragen und für die Erfahrungen der Kinder und bietet ihnen Raum für Eigenaktivität.

Lernzeit: Kinder erhalten genügend zusammenhängende Lernzeiten und können die Erfahrung machen, dass ihre (vielleicht nur vorläufigen) Erkenntnisse und Lernschritte geachtet und anerkannt und ihre Lernbemühungen ernst genommen werden.

Projektarbeit: Kinder haben die Möglichkeit, in Projekten zu arbeiten und die sich ihnen darin bietenden Handlungs- und Gestaltungsfreiräume zu nutzen.

Lernumgebung: Kinder finden in der Schule eine das entdeckende Lernen anregende und unterstützende Lernumgebung vor: Die Klassenzimmer sind als Werkstatt eingerichtet, bieten Zugang zu unterschiedlichen Lern- und Arbeitsmaterialien und sind mit zeitgemäßen neuen Medien ausgestattet. Die Kinder haben reichhaltige Möglichkeiten des Zugriffs auf Bücher, Geräte und Informationsquellen. Das Schulgebäude und der Schulhof sind ebenfalls als Lernräume gestaltet.

Kinder erhalten die Möglichkeit und werden darin unterstützt, außerschulische Lernorte zu nutzen und die Erfahrung der "originalen Begegnung" zu machen.

Bandbreiten der Entwicklung

Der Sachunterricht ermöglicht allen Mädchen und Jungen in gleicher Weise, sowohl ihre Erfahrungen einzubringen, die sie vor und außerhalb der Schule erworben haben, als auch gemeinsam neue Erfahrungen zu machen. Geht der Sachunterricht von den Vorerfahrungen der Kinder aus, müssen die Vielfalt der kindlichen Lebenswelten und die unterschiedlichen Interessenslagen der Kinder berücksichtigt werden. Was den einen vertraut ist, muss anderen erst erschlossen werden, was einigen selbstverständlich erscheint, mag andere in Zweifel oder Verwunderung versetzen.

Sachunterricht zielt - wie jeglicher Grundschulunterricht - auf Teilhabe an der Kultur. Der Unterricht soll den Kindern daher vor allem helfen, ihre konkreten Erfahrungen in einen größeren Zusammenhang zu stellen und Erkenntnisse, Kompetenzen und Qualifikationen in den verschiedenen Erfahrungsfeldern zu gewinnen, die schon von anderen Menschen bearbeitet wurden.

Alle Jungen und Mädchen sollen - unabhängig von Geschlecht und Herkunft - Zugang zu allen Erfahrungen haben, aber gleichwohl unterschiedliche Zugriffsweisen und Interessen behalten dürfen. Der Entwicklung von individuellen Interessen bis hin zum "Expertentum" mit Spezialwissen soll auch in der Schule Raum gegeben werden.

Von diesem Verständnis her ergibt sich eine Bandbreite, die gruppenspezifisch ist: Mädchen und Jungen, Kinder deutscher und solche anderer Herkunft, Kinder mit und ohne Behinderungen, Kinder jeder Hautfarbe sollen Zugang zu allen Erfahrungen erhalten, die ihrer Altersgruppe angemessen sind. Die Schule muss aber tolerieren, dass bei der Weltaneignung unterschiedliche Sichtweisen bestehen bleiben können und spezifische Kompetenzen in Abhängigkeit von den Möglichkeiten des einzelnen Kindes immer nur in je individueller Annäherung an ein gedachtes oder erwartetes Optimum erreichbar sind.

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