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![]() "Bildungsansprüche von Grundschulkindern - Standards zeitgemäßer Grundschularbeit"2.2 Tragfähige Grundlagen: MathematikDidaktische OrientierungAufgabe des Mathematikunterrichts aller Schuljahre ist es, an die unterschiedlich ausgeprägten Kenntnisse, Fertigkeiten, Fähigkeiten und Einstellungen der Kinder anzuknüpfen und deren Weiterentwicklung durch gehaltvolle und beziehungsreiche Lernangebote zielbewusst anzuregen (1). Orientierung geben hierbei Aussagen zu
Die Lerninhalte des Faches Mathematik sind den drei Bereichen Arithmetik, Geometrie und Sachrechnen zugeordnet. ArithmetikInhaltlich steht im Bereich Arithmetik die Entwicklung solider Zahlvorstellungen sowie die Ausbildung verständigen, sicheren und flexiblen Rechnens im Mittelpunkt (2). Solide Zahlvorstellungen: Das verständige Umgehen mit Zahlen ist eine Grundvoraussetzung für das Rechnenkönnen. Die Kinder sollten Zahlen nicht nur als Symbole benutzen, mit denen man rechnen kann, sondern Vorstellungen von Zahlen, ihren Größenordnungen, ihren Eigenschaften, ihren Beziehungen zu anderen Zahlen, ihrem Auftreten im Alltag usw. entwickeln. Sicheres Rechnen: Voraussetzung für sicheres Rechnen ist die verständnismäßig grundgelegte, gedächtnismäßige Verfügbarkeit von Wissenselementen, wie des Einspluseins, des Einmaleins oder weiterer Komponenten des sog. Blitzrechnens. Die schriftlichen Normalverfahren (Ziffernrechnen) sind nach wie vor ein wichtiger Unterrichtsinhalt, bilden jedoch nicht länger das Zentrum des Rechenunterrichts. Sicherheit im Zahlenrechnen, also im Kopfrechnen und im halbschriftlichen Rechnen, ist für die Bewältigung von Alltagsanforderungen wie für die Belange des weiterführenden Mathematikunterrichts unverzichtbar. Verständiges, flexibles Rechnen: Das Verständnis der verschiedenen Strategien und Verfahren des Rechnens sowie die aufgabenbezogene Flexibilität bei der Wahl des Rechenweges sind zentrale Kennzeichen mündiger Rechner. Besondere Bedeutung kommt auch dem überschlagenden Rechnen zu, einer im Alltag häufig benötigten Kompetenz. GeometrieIm Geometrieunterricht der Grundschule geht es inhaltlich im Wesentlichen um die Schulung der Raumvorstellung, um das Herstellen und Analysieren ebener und räumlicher Grundformen sowie um das Ausführen und verstehende Durchdringen geometrischer Operationen (3). Dynamische Raumvorstellung: Ein wichtiges Ziel besteht in der Schulung der Kompetenzen, sich in der Ebene und im Raum z. B. mit Hilfe von Plänen zu orientieren, Lagebeziehungen zwischen Objekten in der Ebene und im Raum zu erkennen und zu nutzen sowie Bewegungen im Raum gedanklich durchführen zu können. Herstellen und Analysieren von Grundformen: Hierzu gehören das Herstellen ebener und räumlicher Grundformen (Dreieck, Quadrat, Rechteck, Kreis; Würfel, Quader, Kugel, Zylinder, Pyramide) sowie von Objekten aus solchen Grundformen, das Erkennen und Beschreiben dieser Grundformen in der Umwelt oder die Sammlung von ersten Erfahrungen zu Maßen geometrischer Grundformen (Länge, Flächeninhalt (Meterquadrate) und Volumen (Meterwürfel)). Geometrische Operationen: Einerseits sollen geometrische Fertigkeiten - wie bauen, zeichnen mit ohne Hilfsmittel, falten oder spiegeln - geschult werden. Zum anderen geht es darum, über die Wirkungen dieser Operationen - auch anhand geometrischer Phänomene wie Spiegelbildern, Bandornamenten, Parketten, Maßstabsveränderungen - nachzudenken und sie zu analysieren. SachrechnenSachrechnen setzt Kompetenzen in verschiedenen Bereichen voraus: Mathematische Kompetenzen (wie Fertigkeiten im Rechnen oder im Umgang mit Darstellungsformen), sprachliche Kompetenzen (wie Sprach- und Leseverständnis) sowie Kompetenzen aus dem Bereich des Sachunterrichts (wie spezifisches Sachwissen). Mathematisierung/Modellbildung: Ziel des Sachrechnens ist einerseits das Nutzen mathematischer Kompetenzen für die Bewältigung der Umwelt, andererseits soll auch die Umwelt für ein besseres Verständnis mathematischer Sachverhalte genutzt werden (s. u. Anwendungsorientierung und Strukturorientierung). Als langfristiges Ziel ist die Entwicklung umweltverantwortlichen Handelns zu sehen. Größen: Ein weiterer zentraler Bereich betrifft den Aufbau solider Größenvorstellungen. Diesbezügliche Kenntnisse sollen im alltäglichen Leben angewendet werden, was zu einer zunehmenden Strukturierung des Lebens verhelfen kann. FähigkeitenÜber inhaltsbezogene Kenntnisse und Fertigkeiten hinaus soll der Unterricht die Selbstständigkeit, die mathematische Mündigkeit, die Argumentations-, die Ausdrucks- und die Kooperationsfähigkeit der Kinder fördern. Daher sollen die Kinder in zunehmendem Maße
EinstellungenDer Unterricht fördert eine positive Einstellung zum Mathematiklernen. Er unterstützt das Lernen durch Hinweise und Rückmeldungen, die sich an vorhandenen Kompetenzen orientieren. So erfahren Kinder, dass sie etwas können und ihre mathematische Aktivität bedeutungsvoll ist. Dadurch entwickeln sich
Anmerkungen Veröffentlichungen des Grundschulverbandes Hans Brügelmann, Maria Fölling-Albers, Sigrun Richter (Hrsg.) (1998): Jahrbuch Grundschule 98 Gerhard N. Müller / Erich Ch Wittmann (Hrsg.) (1995): Mit Kindern rechnen. Frankfurt a.M.: Grundschulverband Band S. XX, darin Kapitel Forschung zur Mathematikdidaktik S. 80-138 Gerhard N. Müller / Erich Ch. Wittmann (Hrsg.) (1995): Mit Kindern rechnen. Band 96 Petra Scherer / Dagmar Bönig (Hrsg.): Mathematik für Kinder - Mathematik von Kindern. In Vorbereitung
Tragfähige GrundlagenZieleArithmetik
Geometrie
Sachrechnen
Bereichsübergreifende Fähigkeiten und Einstellungen
BedingungenDiese Ziele sind nur erreichbar, wenn der Unterricht folgende Lernbedingungen schafft: Anwendungs- und Strukturorientierung: Im Mathematikunterricht wird der wechselseitige Bezug zwischen mathematischer Ebene und Sachebene durch die enge Verknüpfung von Anwendungsorientierungund Strukturorientierung realisiert: Im Sinne der Anwendungsorientierung sind mathematische Inhalte mit der Lebenswirklichkeit der Kinder in Zusammenhang zu bringen. Dabei muss diese Anwendungsorientierung in zwei Richtungen verlaufen. Einerseits wird das vorhandene Alltagswissen zur Darstellung mathematischer Ideen verwandt, andererseits wird Wissen über die Wirklichkeit durch die Mathematik entwickelt. Im Sinne der Strukturorientierung ist aber zugleich das Regelhafte und Gesetzmäßige sichtbar zu machen. Lernen von Mathematik bedeutet auch Aufdecken und Beschreiben von Strukturen. Entdeckendes Lernen: In einem zeitgemäßen Verständnis wird Lernen als konstruktive Aufbauleistung des Individuums gesehen. Die Lehrkraft hat demnach die Aufgabe, herausfordernde Sinnzusammenhänge anzubieten, ergiebige Arbeitsmittel und Aufgabenstellungen bereitzustellen und Formen der Kommunikation aufzubauen und zu erhalten, die dem Lernen aller Kinder förderlich sind. Produktives Üben: In diesem Verständnis werden Lernen und Üben nicht als getrennt betrachtet, sondern Übung wird als integraler Bestandteil des Lernprozesses verstanden. Übungen sollen möglichst problemorientiert, operativ oder anwendungsbezogen angelegt sein. So werden auch beim Üben die Fähigkeiten mathematischen Arbeitens geschult. Übungsspiele sollen in der Regel eine mathematische Substanz besitzen. Damit automatisierende Übungen nicht sinnlos sind, setzen sie Verständnis voraus und dürfen nicht verfrüht erfolgen. Bei vielen Inhalten ist ein hinreichender Anteil an materialgestützten Übungen vorzusehen. Individuelles und gemeinsames Lernen: Der Mathematikunterricht versteht Lernen als eigenständigen Prozess, indem individuelle Wege und Lösungsstrategien akzeptiert werden. Damit alle Kinder tragfähige Grundlagen erwerben können, muss der Mathematikunterricht den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Lernmöglichkeiten der einzelnen Kinder durch Maßnahmen der Individualisierung gerecht werden. Das Lernen auf eigenen Wegen sollte durch das Lernen voneinander ergänzt werden, denn auch der soziale Austausch, die Interaktion ist für die Wissenskonstruktion notwendig (andere Lösungswege kennen lernen, die eigene Sichtweise artikulieren, Rückmeldung dazu erhalten und diese nutzen, über verschiedene Herangehensweisen nachdenken und diese bewerten). So wird auch im Mathematikunterricht die Kooperationsfähigkeit gefördert. Bandbreiten der EntwicklungAm Ende der Klasse 4 gibt es erfolgreiche und weniger erfolgreiche Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht, u. a. abhängig von variierenden Stärken und Schwächen in den Bereichen Arithmetik, Geometrie, Sachrechnen, aber auch in anderen Fächern wie etwa Sprache. Sie sind auch bedingt durch unterschiedliche Interessen oder außerschulische Anregungen. Unterschiedliche Leistungen sind häufig auf unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten und Lernvoraussetzungen, nicht auf grundsätzlich andere Formen des Lernens zurückzuführen. Langsam und schnell lernende Kinder sollten so lange wie möglich im heterogenen Klassenverband verbleiben. Substanzielle Aufgabenstellungen ermöglichen eine natürliche Differenzierung und erlauben eine Förderung auf individuellem Niveau. Kinder mit besonderen Lernvoraussetzungen verdienen darüber hinaus weitere Fördermaßnahmen, die an ihre individuellen Lernmöglichkeiten anknüpfen. Der Mathematikunterricht sollte jedes Kind ermutigen, sein individuelles Leistungspotenzial auszuschöpfen. Zurück
Letzte Änderung: 21.12.2004
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