Marion Gutzmann

"Die guten Leute wissen nicht, was es einen für Mühe kostet, um lesen zu lernen. Ich habe 80 Jahre dazu gebraucht und kann noch jetzt nicht sagen, dass ich am Ziele wäre."
Dies hat Goethe am 15.1.1830 zu Eckermann gesagt. Ähnlich war für mich eine meiner wichtigsten Erfahrungen im Schulalltag als Grundschullehrerin in mehr als dreißig Dienstjahren, mich bewusster und immer mehr auch selbst als Lernende erlebt zu haben und so auch Schülerinnen und Schüler als Lernende besser verstanden zu haben. Es war aber auch eine der schwierigsten Erfahrungen, mich immer wieder der herausfordernden Aufgabe zu stellen, individuelle Lernprozesse von Kindern zu beobachten und unterstützen zu lernen und meine Rolle als Lehrerin zu reflektieren und neu zu gestalten.

In dieser Rolle übernahm ich seit 1993 als Fachberaterin und Multiplikatorin sowie seit 2002 in meiner Abordnungstätigkeit am Landesinstitut Brandenburg im Bereich Deutsch Fortbildungs- und Qualifizierungsaufgaben mit den Schwerpunkten Schuleingangsphase, Sprach- und Leseförderung sowie Aufgabenentwicklung. Als Mitglied der länderübergreifenden Rahmenlehrplangruppe für das Fach Deutsch habe ich in dem Vierländer-projekt der Länder Berlin, Brandenburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern zur Erarbeitung der Rahmenpläne mitgearbeitet und war in den Aufbau des Netzwerkes Grund- und Förderschulen Brandenburg involviert. Bei all dem war der länder- oder regionenübergreifende Austausch für alle Beteiligten ein gewinnbringender. Seit Dezember 2008 bin ich am LISUM Berlin-Brandenburg als Referentin für Sprachförderung/ Deutsch als Zweitsprache tätig.

Als 1992 der Landesverband Brandenburg ins Leben gerufen wurde, überzeugten mich die Positionen des Grundschulverbandes zur Gestaltung einer kindgerechten Grundschule. Der Schritt, Mitglied zu werden, war an diesem Tag eine erste persönliche Konsequenz. Seit diesem Gründungstag bin ich auch Mitglied des Vorstandes der Landesgruppe und habe in den letzten Jahren die Aufgabe als Delegierte der Landesgruppe wahrgenommen. Wenn es im Vorwort zu den Standpunkten u.a. heißt, dass sich "der Grundschulverband für eine Schule engagiert, die Kindern Raum bietet, miteinander und mit Erwachsenen aufmerksam zu leben, in der sie lernen und ihr Können zeigen können", dann fühle ich mich durch die Arbeit des Verbandes gestärkt und unterstützt, die zukünftige Grundschule als Schule der Vielfalt (und Schule für alle) weiter mitgestalten zu können und verantwortungsvolle Politiker dafür gewinnen zu können, allen Kindern bestmögliche Bildungschancen zu ermöglichen. Hier sehe ich Aspekte der Vernetzung zu meinen bisherigen Aufgaben, aber auch Neuakzentuierungen. Ich freue mich auf die neue Herausforderung und die vielfältigen Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

 

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